Kirschessigfliege
Kirschen mit winzigen Einstichen, Himbeeren, die beim Pflücken in sich zusammenfallen, Brombeeren mit weißen Maden im Fruchtfleisch: Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in gesunde, gerade reifende Früchte. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von den heimischen Essigfliegen, die erst an angefaultes Obst gehen. Seit 2011 wird sie in Deutschland nachgewiesen.
Kirschessigfliege erkennen
Drosophila suzukii stammt aus Ostasien und ähnelt auf den ersten Blick der gewöhnlichen Fruchtfliege. Sie ist gelblich bis rotbraun gefärbt, hat leuchtend rote Augen und dunkle Querbänder auf dem Hinterleib. Männchen messen 2,6 bis 2,8 mm, Weibchen 3,2 bis 3,4 mm; die Art ist damit etwas größer und gedrungener als die Essigfliege in der Obstschale.
- Männchen: je ein dunkler Fleck am äußeren Rand beider Flügel – das sicherste Merkmal, mit einer Lupe gut zu sehen
- Weibchen: kein Flügelfleck, dafür ein kräftiger, gesägter Legebohrer am Hinterleibsende
- Befallene Früchte: winzige Einstichstellen, weiche eingesunkene Bereiche, austretender Saft, später Essiggeruch
Wichtig: Fliegen an faulendem Fallobst oder am Biomüll sind fast immer harmlose heimische Arten. Entscheidend für die Bestimmung ist der Zeitpunkt: Sitzen die Tiere an noch festen, gerade umfärbenden Früchten am Strauch, spricht das für die Kirschessigfliege.
Lebensweise
Das Weibchen ritzt mit dem Legebohrer die Haut reifender Früchte an und schiebt die Eier unter die Schale. Über sein Leben verteilt legt es mehrere hundert Eier ab. Die Larven schlüpfen nach ein bis drei Tagen und fressen im Fruchtfleisch; die Frucht fällt binnen weniger Tage in sich zusammen, weil Hefen und Fäulniserreger über die Einstichstellen eindringen.
Eine Generation braucht bei warmer Witterung nur acht bis vierzehn Tage. Über die Saison folgen dadurch viele Generationen aufeinander, weshalb die Population von Juli bis in den Oktober hinein stark ansteigt. Die erwachsenen Fliegen überwintern an geschützten Stellen: in dichten Hecken, Laubstreu, Reisighaufen, Schuppen und Gartenhäusern. Milde Winter und feuchte, nicht zu heiße Sommer begünstigen die Art, längere Hitze über 30 Grad und trockene Luft bremsen sie.
Das Wirtsspektrum ist breit. Betroffen sind Süß- und Sauerkirschen, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Holunder, Pflaumen, Feigen und rote Traubensorten. Wildfrüchte in der Nachbarschaft – Holunder, verwilderte Brombeere, Liguster – dienen als Rückzugsraum und liefern ständig Nachschub.
Schäden und Risiken
Der Schaden entsteht unmittelbar an der Ernte. Befallene Früchte werden weich, verlieren Saft, riechen nach Essig und lassen sich weder lagern noch verwerten. In schlechten Jahren fällt der Ertrag bei später Kirsche, Herbsthimbeere und Brombeere im Hausgarten weitgehend aus. Anders als beim Apfelwickler, dessen Larve einen sichtbaren Bohrgang hinterlässt, sieht man einer frisch bestochenen Beere von außen fast nichts an.
Für die Gesundheit besteht kein Risiko. Larven in Beeren sind unappetitlich, aber weder giftig noch krankheitsübertragend; versehentlich mitgegessene Maden sind unbedenklich. Wer sichergehen möchte, legt die Ernte für rund 15 Minuten in leicht gesalzenes Wasser – die Larven verlassen die Früchte und schwimmen auf.
Vorbeugen
- Kulturschutznetze mit 0,8 mm Maschenweite vor Reifebeginn dicht schließen, auch am Boden ohne Schlupflöcher
- Engmaschig und vollständig ernten, dabei auch überreife und angestochene Früchte abnehmen
- Fallobst und befallene Früchte täglich einsammeln und nicht auf den offenen Kompost geben
- Sträucher licht schneiden und den Bodenbewuchs kurz halten – luftige, trockene Bestände werden weniger befallen
- Früh reifende Sorten bevorzugen, sie sind meist vor dem Populationsgipfel im Spätsommer abgeerntet
Bekämpfen
Im Hausgarten setzt die Bekämpfung auf Ausschluss und Hygiene, nicht auf Spritzmittel. Ein Präparat müsste genau in der Phase wirken, in der die Früchte kurz vor der Ernte stehen – für diesen Zeitraum stehen im Haus- und Kleingarten praktisch keine geeigneten Mittel zur Verfügung. Falls Sie überhaupt zu einem Produkt greifen, kommen ausschließlich Pflanzenschutzmittel mit Zulassung für den Haus- und Kleingartenbereich und für die jeweilige Kultur infrage, samt Wartezeit.
Wirksam ist konsequente Entsorgung: Befallene Früchte in einen dicht verschlossenen Sack geben, ihn mehrere Tage in die Sonne legen und den Inhalt anschließend über den Restmüll entsorgen. Auf dem offenen Kompost entwickeln sich die Larven ungestört weiter und die nächste Generation startet im eigenen Garten. Fallen mit Apfelessig, etwas Rotwein und einem Tropfen Spülmittel eignen sich zur Beobachtung des Flugbeginns; zur Reduzierung der Population reichen sie im Garten nicht aus.
Tipp: Hängen Sie ab Mai eine Köderfalle in den Bestand und kontrollieren Sie sie wöchentlich. Sobald die ersten Männchen mit den Flügelflecken auftauchen, ist der Zeitpunkt gekommen, das Netz zu schließen und die Ernteabstände zu verkürzen.
Wann zum Profi?
Ein Schädlingsbekämpfer wird hier nicht gebraucht, denn die Kirschessigfliege ist ein Pflanzenschädling im Freiland. Zuständig sind die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer. Sie veröffentlichen regionale Warnhinweise zum Flugverlauf und beraten zu Kulturmaßnahmen. Eine allgemeine Meldepflicht für Privatgärten besteht nicht, die Art gilt in Deutschland als etabliert.
Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn Sie größere Beerenflächen bewirtschaften, wenn der Befall trotz Netz und sauberer Ernte hoch bleibt oder wenn unklar ist, ob überhaupt die Kirschessigfliege vorliegt und nicht eine der zahlreichen heimischen Fliegen. Ein Blick auf die Umgebung lohnt ebenfalls: Ungeerntete Kirschbäume und verwilderte Brombeerhecken im Umfeld halten den Befallsdruck dauerhaft hoch. Hier bringt eine Absprache mit den Nachbarn oft mehr als jede Maßnahme im eigenen Beet.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich die Kirschessigfliege von einer normalen Fruchtfliege?
Am zuverlässigsten am Männchen: Es trägt auf jedem Flügel einen dunklen Fleck nahe der Spitze, den heimische Essigfliegen nicht haben. Auch der Ort hilft: Die Kirschessigfliege sitzt an festen, gerade reifenden Früchten am Strauch, heimische Arten dagegen an faulendem Fallobst und am Biomüll.
Kann ich Obst mit Maden noch essen?
Gesundheitlich spricht nichts dagegen, denn die Larven sind weder giftig noch übertragen sie Krankheiten. Appetitlich ist es allerdings nicht, und stark befallene Früchte gären bereits. Legen Sie die Ernte etwa 15 Minuten in leicht gesalzenes Wasser, dann verlassen die Larven die Früchte.
Was hilft im Hausgarten wirklich gegen die Kirschessigfliege?
Ein dicht schließendes Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite, das vor der Reife angebracht wird, ist die wirksamste Maßnahme. Ergänzend gilt: engmaschig ernten und befallene Früchte konsequent entsorgen, also luftdicht verpackt mehrere Tage in die Sonne legen und dann über den Restmüll geben, nie auf den offenen Kompost.
Bringen Essigfallen etwas gegen den Befall?
Fallen mit Apfelessig und etwas Rotwein zeigen zuverlässig an, wann die ersten Fliegen unterwegs sind, und sind damit ein gutes Signal für den Netzeinsatz. Die Population im Garten senken sie jedoch nicht messbar, weil ständig Tiere aus der Umgebung nachfliegen.