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Lästling

Gemeine Wespe

Die Gemeine Wespe ist gemeinsam mit der Deutschen Wespe die Art, die im Spätsommer am Kaffeetisch landet. Ihre Völker werden mehrere tausend Tiere stark, das Nest sitzt versteckt im Erdreich, im Rollladenkasten oder auf dem Dachboden. Für die meisten Menschen bleibt ein Stich folgenlos. Ein Notfall liegt vor bei Stichen im Mund- und Rachenraum sowie bei Zeichen einer Allgemeinreaktion – Atemnot, Engegefühl im Hals, Quaddeln fernab der Einstichstelle, Schwindel oder Kreislaufprobleme, auch ohne bekannte Insektengiftallergie. Ärger entsteht durch die schiere Zahl und durch Nester an ungünstigen Stellen.

Gemeine Wespe erkennen

Die Zeichnung ist kräftig gelb-schwarz, der Körper kompakt und der Kopf kurz: Auge und Oberkiefer stoßen fast aneinander. Auf dem Kopfschild trägt die Gemeine Wespe eine durchgehende schwarze Zeichnung in Form eines Ankers oder Keils, während die Deutsche Wespe dort ein bis drei getrennte schwarze Punkte zeigt.

  • Das Nest ist von außen meist unsichtbar, verräterisch ist ein gleichmäßiger Flugverkehr in ein Erdloch, eine Mauerfuge oder unter eine Dachverkleidung.
  • Die Hülle besteht aus zerkautem Morschholz und wirkt gelbbraun und muschelig geschichtet, ausgewachsen erreicht sie Fußball- bis Medizinballgröße.
  • Ein Rascheln in der Zwischendecke deutet auf ein Nest im Hohlraum hin.

Die Sächsische Wespe und die Mittlere Wespe bauen dagegen freihängende Nester und meiden Essen; sie werden häufig zu Unrecht verdächtigt.

Lebensweise

Eine begattete Königin überwintert und gründet ab April ein neues Volk, ein altes Nest wird nie wieder bezogen. Bis Juni versorgt sie die Brut allein. Im August und September erreicht das Volk seine Größe von häufig 3.000 bis 5.000 Tieren. Ende Oktober stirbt es ab, nur die Jungköniginnen überwintern.

Die Larven werden mit Insekten und Fleisch gefüttert, die erwachsenen Tiere brauchen Zucker. Ein Volk trägt an einem guten Tag mehrere tausend Insekten ein. Sobald ab August kaum noch Brut zu versorgen ist, fehlt den Arbeiterinnen die Belohnung aus dem Nest, und sie suchen Zucker in Fallobst, Limonade und Kuchen. Genau daher kommt der spätsommerliche Andrang am Tisch.

Schäden und Risiken

An der Bausubstanz entstehen kaum Schäden, weil vorhandene Hohlräume genutzt werden. Größere Nester im Dachbereich können Dämmung durchfeuchten; in Lebensmittelbetrieben werden Wespen zum Hygieneproblem, weil sie zwischen Abfall und Ware wechseln.

Das eigentliche Risiko ist der Stich. Wespen können mehrfach stechen und verteidigen ihr Nest im Umkreis von mehreren Metern; Erschütterungen, Rasenmäher und schnelle Bewegungen lösen Angriffe aus. Für gesunde Menschen bleibt ein Stich schmerzhaft, aber harmlos. Bei etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung besteht eine Insektengiftallergie, jährlich sterben in Deutschland rund 20 Menschen an solchen Reaktionen. Stiche im Mund- und Rachenraum sind unabhängig davon ein Notfall.

Vorbeugen

  • Speisen und Getränke im Freien abdecken, aus Gläsern mit Deckel oder Strohhalm trinken und Kindern nach jedem Bissen den Mund abwischen.
  • Fallobst täglich aufsammeln, Mülltonnen geschlossen halten und Grillreste sofort abräumen.
  • Von April bis Mai Rollladenkästen, Dachböden, Schuppen und Gartenhäuser auf gründende Königinnen kontrollieren.
  • Einflugöffnungen und Spalten außerhalb der Saison dauerhaft verschließen, Fliegengitter an Fenstern anbringen.

Bekämpfen

Am Tisch gilt: ruhig bleiben, nicht schlagen und vor allem nicht pusten. Das Kohlendioxid im Atem wird als Angriff gewertet. Eine Sprühflasche mit Wasser simuliert Regen und vertreibt einzelne Tiere zuverlässig. Eine Ablenkfütterung mit überreifen Trauben in einigen Metern Abstand entlastet den Tisch.

Was nicht hilft: Süßköderfallen fangen wahllos Insekten und ziehen weitere Wespen an, Ultraschall und Kupfermünzen wirken nicht, und Wespensprays aus dem Baumarkt lösen bei einem besetzten Nest einen Gegenangriff aus. Ein Nest im Erdreich lässt sich weder ausgießen noch ausräuchern.

Wichtig: Wespen sind nach § 39 BNatSchG allgemein geschützt. Ein Nest darf nur bei vernünftigem Grund beseitigt werden, etwa bei Allergie im Haushalt oder direkter Lage an Haustür oder Spielplatz. Bußgelder bis 10.000 Euro sind möglich. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Ein Fachbetrieb gehört an ein Nest, das im Rollladenkasten, in der Zwischendecke, an der Terrasse oder im Eingangsbereich sitzt, außerdem immer bei Insektengiftallergie im Haushalt sowie in Kitas, Schulen und Lebensmittelbetrieben. Die Kosten beginnen bei 80 Euro, Erdnester und schwer zugängliche Hohlräume kosten mehr. Die Feuerwehr rückt in der Regel nur bei akuter Gefahr aus. Weitere Arten und Nesttypen finden Sie unter Wespen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Gemeine und Deutsche Wespe?

Am Kopfschild. Die Gemeine Wespe trägt dort eine durchgehende schwarze Zeichnung, die an einen Anker oder Keil erinnert. Bei der Deutschen Wespe sind es ein bis drei getrennte schwarze Punkte. Im Verhalten unterscheiden sich beide Arten kaum, beide gehen im Spätsommer an Süßes und an Fleisch.

Warum werden Wespen erst im August lästig?

Weil das Volk dann seine größte Stärke erreicht und kaum noch Brut zu versorgen ist. Die Arbeiterinnen bekommen keine zuckerhaltige Belohnung mehr aus dem Nest und suchen Ersatz an Fallobst, Limonade und Kuchen. Mit dem Absterben des Volkes im Oktober endet der Andrang von selbst.

Was tun bei einem Wespennest im Rollladenkasten?

Nicht zuschäumen und nicht verschließen, sonst nagen sich die Tiere in den Wohnraum durch. Halten Sie den Rollladen möglichst in Ruhe und kleben Sie Innenspalten des Kastens provisorisch ab. Lassen Sie das Nest von einem Fachbetrieb bewerten; oft ist Abwarten bis Oktober die einfachste Lösung.