Pharaoameise
Die Pharaoameise ist die problematischste Ameise in deutschen Gebäuden. Sie stammt aus den Tropen, überlebt draußen keinen Winter und lebt deshalb ausschließlich in dauerbeheizten Häusern. Ihr Nest sitzt unerreichbar in Wandhohlräumen, und ein Volk hat viele Königinnen. Wer hier zum Ameisenspray greift, macht aus einem Befall drei.
Befall erkennen
Arbeiterinnen messen nur 1,5 bis 2,5 mm und sind gelblich bis bernsteinfarben, fast durchscheinend, mit dunklerem Hinterleib. Königinnen werden 3,5 bis 6 mm groß und sind rotbraun bis fast schwarz. Ein Hochzeitsflug findet nicht statt, geflügelte Tiere sieht man praktisch nie.
- Feine, dauerhafte Laufstraßen entlang von Fugen, Rohrleitungen, Kabelkanälen und Fliesenkanten
- Ameisen an Wunden, Verbandsmaterial, Windeln oder Tierfutternäpfen
- Tiere in verschlossen geglaubten Lebensmittelpackungen und in Küchengeräten
- Aktivität rund um die Uhr, auch mitten im Winter
- Befall gleichzeitig in mehreren Wohnungen eines Hauses
Verwechselt wird sie mit anderen Ameisen, etwa der Schwarzgrauen Wegameise. Die ist jedoch dunkel, deutlich größer und verschwindet im Winter.
Lebensweise
Ein Volk enthält Dutzende bis Hunderte eierlegende Königinnen und wächst auf mehrere hunderttausend Tiere an. Die Paarung findet im Nest statt. Zur Vermehrung wandert ein Teil der Kolonie mitsamt Königinnen ab und gründet ein Zweignest. Dieses Verhalten heißt Knospung und ist der Kern des Problems.
Optimal sind 27 bis 30 °C bei hoher Luftfeuchte. Dann dauert die Entwicklung vom Ei zur Arbeiterin nur 38 bis 45 Tage, das ganze Jahr über. Genistet wird in Wandzwischenräumen, hinter Fliesen, in Dämmung, Kabelschächten und sogar in Elektrogeräten. Sichtbar ist das Nest fast nie.
Auf dem Speiseplan stehen eiweiß- und fettreiche Nahrung sowie Zucker: Fleisch, Käse, Wundsekrete, Blut, Süßspeisen. Ihre geringe Größe lässt sie durch kleinste Spalten und in Verpackungen schlüpfen.
Schäden und Risiken
Der wichtigste Punkt ist die Keimverschleppung. Pharaoameisen laufen zwischen Abfall, Sanitärbereich und Lebensmitteln hin und her und tragen Keime wie Staphylokokken und Salmonellen mechanisch weiter. In Kliniken kriechen sie in Wundverbände, an Infusionssysteme und in Sterilgut.
In Küchen und Bäckereien verunreinigen sie Ware und lösen Beanstandungen aus. Dazu kommen Kurzschlüsse, wenn Tiere in Elektrogeräte einwandern. Stiche oder Bisse sind für Menschen kein Thema.
Vorbeugen
- Lebensmittel in dicht schließenden Behältern lagern, auch Tierfutter und Süßigkeiten
- Krümel, Fettfilme und Getränkereste sofort entfernen, Spülbecken abends trocken wischen
- Müll in geschlossenen Eimern sammeln und täglich leeren
- Fugen, Rohrdurchführungen und Fliesenrisse abdichten
- Feuchtigkeit reduzieren, tropfende Leitungen und Kondenswasser abstellen
- Kartons, Paletten und Wäschelieferungen vor dem Einräumen kontrollieren
Bekämpfen
Wichtig: Sprays und andere Kontaktinsektizide sind bei Pharaoameisen ein schwerer Fehler. Die Kolonie reagiert auf die Störung mit Knospung: Königinnen wandern ab, und aus einem Nest werden mehrere, verteilt über das ganze Gebäude. Auch Hausmittel wie Essig, Zimt oder Backpulver bewirken nur das Ausweichen der Straßen.
Wirksam ist ausschließlich die Köderbekämpfung. Eingesetzt werden Gele und Köderdosen mit langsam wirkenden Fraßgiften oder Wachstumsregulatoren. Die Arbeiterinnen tragen den Köder ins Nest und füttern damit Königinnen und Brut. Genau deshalb muss der Wirkstoff langsam wirken, sonst erreicht er die Königinnen nicht.
Die Behandlung läuft typischerweise über 8 bis 12 Wochen mit regelmäßigem Nachlegen und Monitoring. Entscheidend ist die Fläche: Ein Haus muss komplett behandelt werden, alle Wohnungen gleichzeitig. Wird eine ausgelassen, wandert die Kolonie dorthin und kommt später zurück.
Tipp: Stellen Sie zwei Wochen vor Behandlungsbeginn die Küchenhygiene auf Maximum um. Je weniger Alternativnahrung vorhanden ist, desto besser nehmen die Tiere den Köder an.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Bei bestätigter Pharaoameise immer. Ein Befall lässt sich als Einzelmieter nicht lösen, weil die Kolonie das gesamte Gebäude nutzt. Informieren Sie Vermieter oder Hausverwaltung, damit eine koordinierte Behandlung aller Einheiten beauftragt wird.
In Kliniken und Lebensmittelbetrieben ist ein Fachbetrieb ohnehin gesetzt: In Kliniken verlangt § 23 Infektionsschutzgesetz einen Hygieneplan, in Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen § 36 Infektionsschutzgesetz; in Lebensmittelbetrieben schreibt die EU-Hygieneverordnung (VO (EG) Nr. 852/2004) Schädlingsmonitoring und Bekämpfung als dokumentierten Teil des HACCP-Konzepts vor.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich eine Pharaoameise sicher?
An Größe und Farbe: Arbeiterinnen sind mit 1,5 bis 2,5 mm winzig und gelblich-durchscheinend, während heimische Hausameisen dunkel und größer sind. Ein zweites Indiz ist die Jahreszeit. Laufen im Januar in einer beheizten Wohnung kleine helle Ameisen, spricht das stark für diese Art.
Warum darf ich kein Ameisenspray benutzen?
Weil die Kolonie auf Störung mit Knospung reagiert. Ein Teil der Königinnen wandert ab und gründet neue Nester an anderer Stelle im Gebäude. Aus einem überschaubaren Befall wird so ein hausweites Problem, das deutlich länger und teurer zu behandeln ist.
Wie lange dauert die Bekämpfung?
Realistisch sind 8 bis 12 Wochen, in großen Objekten auch mehrere Monate. Die Köder müssen so lange nachgelegt werden, bis über Kontrollkarten keine Aktivität mehr nachweisbar ist. Ein schneller Erfolg nach wenigen Tagen ist bei dieser Art nicht möglich.
Wer zahlt die Bekämpfung im Mietshaus?
In der Regel der Vermieter, da ein hausweiter Befall die Mietsache betrifft und nur gebäudeweit behandelt werden kann. Melden Sie den Verdacht schriftlich und dokumentieren Sie die Funde mit Fotos. Eine Behandlung einzelner Wohnungen auf eigene Faust ist verlorenes Geld.