Spanische Wegschnecke
Wenn Salatpflanzen über Nacht bis auf die Mittelrippe verschwinden und breite Schleimspuren über die Beetkante führen, steckt in deutschen Gärten meist die Spanische Wegschnecke dahinter. Sie ist die häufigste Nacktschnecke des Landes, frisst nahezu alles Weiche und gilt als eine der problematischsten eingeschleppten Tierarten Europas.
Spanische Wegschnecke erkennen
Ausgewachsene Tiere messen kriechend 7 bis 14 cm. Die Färbung ist sehr variabel und reicht von hellbraun über rotbraun und orange bis grau; Jungtiere sind kräftiger gezeichnet und oft gebändert. Der Körper ist gehäuselos, ohne Rückenkiel und deutlich runzelig gekörnelt. Der Mantelschild bedeckt etwa ein Drittel der Länge. Der Schleim ist farblos bis gelblich und auffallend zäh, bei Störung zieht sich das Tier zu einer hohen Halbkugel zusammen.
- Große Löcher und Fraß von der Blattkante her, an Keimlingen bleibt nur der Stängel
- Getrocknete, silbrig glänzende Schleimspuren auf Boden, Platten und Beeteinfassungen
- Fraß vor allem nachts, am frühen Morgen und an feuchten, bedeckten Tagen
- Tagsüber unter Brettern, Töpfen, Steinen, im Kompost und im hohen Randbewuchs
Wichtig: Nicht jede Schnecke im Garten ist ein Schädling. Der Tigerschnegel, eine große grau gefleckte Nacktschnecke, frisst Gelege und Jungtiere der Wegschnecken und ist ausdrücklich erwünscht. Die Weinbergschnecke ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und darf nicht getötet werden. Schneckenkorn wirkt nicht artspezifisch – prüfen Sie deshalb erst, was in Ihrem Beet unterwegs ist.
Lebensweise
Die Art stammt trotz ihres Namens nicht aus Spanien; ihre Herkunft ist nicht abschließend geklärt, vermutet wird Südwestfrankreich. Der deutsche Name ist ein historischer Irrtum. Seit den späten 1960er-Jahren breitet sie sich in Deutschland aus, begünstigt durch den Pflanzen- und Gemüsehandel und durch milde, feuchte Winter.
Wegschnecken sind Zwitter und begatten sich gegenseitig. Ein Tier legt über den Sommer und Herbst verteilt mehrere Gelege ab, insgesamt meist 200 bis 400 Eier, in Bodenhohlräumen, unter Brettern, Steinen und im Kompost. Die Jungtiere schlüpfen überwiegend noch im selben Jahr und überwintern im Boden; die Alttiere sterben im Spätherbst. Der Lebenszyklus dauert damit ungefähr ein Jahr. Fressfeinde gibt es, doch der zähe Schleim schreckt viele ab: Igel, Laufkäfer, Kröten, Blindschleichen und Vögel nehmen vor allem Jungtiere.
Schäden und Risiken
Das Fraßspektrum ist breit. Betroffen sind Salat, Kohl, Bohnen, Erdbeeren, Basilikum, Zucchini, dazu im Zierbeet Funkien, Dahlien, Rittersporn, Tagetes und Sonnenblumen. Frische Aussaaten und junge Setzlinge sind am gefährdetsten, hier kann ein einziger Nachtbesuch eine ganze Reihe vernichten. Weitgehend verschont bleiben stark aromatische, behaarte oder ledrige Pflanzen wie Lavendel, Salbei, Rosmarin, Gräser, Farne und Bergenien.
Für Menschen sind die Tiere ungefährlich. Nacktschnecken können jedoch Zwischenwirt von Parasiten sein, unter anderem des Französischen Herzwurms, der Hunde befällt. Waschen Sie geerntetes Gemüse gründlich und halten Sie Hunde davon ab, Schnecken oder Kadaver aufzunehmen. Lochfraß tagsüber ohne Schleimspur geht übrigens meist auf andere Verursacher zurück, etwa auf Erdflöhe an Kohl oder auf Raupen des Großen Kohlweißlings.
Vorbeugen
- Morgens gießen statt abends, gezielt an die Wurzel, damit die Oberfläche über Nacht abtrocknet
- Schneckenzaun mit umgebördeltem Rand setzen, mindestens 10 cm hoch und einige Zentimeter eingegraben; das Beet vorher schneckenfrei sammeln
- Verstecke am Beetrand entfernen: Bretter, Kübel, Steinhaufen, hohes Gras und Mulchreste
- Boden im Spätsommer und Herbst regelmäßig flach hacken, das zerstört Gelege und trocknet sie aus
- Jungpflanzen vorziehen statt direkt säen, sie überstehen einen Angriff deutlich besser
- Igel, Laufkäfer und Vögel fördern: Totholzecke, Laubhaufen und ungestörte Randstreifen anlegen
Bekämpfen
Am wirksamsten bleibt konsequentes Absammeln bei feuchtem Wetter, früh morgens oder nach Einbruch der Dämmerung. Legen Sie feuchte Bretter oder umgedrehte Blumentöpfe als Tagesverstecke aus und leeren Sie diese täglich. Getötet werden darf nur schnell und ohne vermeidbare Leiden, wie es das Tierschutzgesetz verlangt – üblich ist das Durchtrennen mit einem scharfen Messer oder Spatenstich. Salz und heißes Wasser sind dafür nicht geeignet.
Bierfallen locken Schnecken auch aus Nachbargrundstücken an und schaden mehr, als sie nützen. Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat ist für den Haus- und Kleingarten zugelassen, auch für den ökologischen Anbau, und wird dünn verteilt statt in Häufchen ausgebracht. Welche Mittel darüber hinaus zugelassen sind, ändert sich immer wieder. Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Biologisch arbeiten Nematoden der Art Phasmarhabditis hermaphrodita, die mit dem Gießwasser ausgebracht werden, ab etwa 5 Grad Bodentemperatur wirken und vor allem kleine Schnecken im Boden erfassen.
Tipp: Eierschalen, Kaffeesatz, Sägespäne und Asche halten Schnecken bestenfalls kurz auf und sind nach dem ersten Regen wirkungslos. Salzstreifen schädigen zusätzlich den Boden. Ein sauber gesetzter Schneckenzaun plus tägliches Absammeln in den ersten zwei feuchten Wochen bringt mehr als jede Streubarriere.
Wann zum Profi?
Für Nacktschnecken im Hausgarten wird kaum ein Schädlingsbekämpfer gerufen; die Maßnahmen liegen bei Ihnen selbst und wirken nur, wenn sie über die ganze Saison durchgehalten werden. Beratung lohnt sich bei größeren Flächen oder im Erwerbsanbau: Die Pflanzenschutzdienste der Länder informieren über Aufwandmengen, Termine und zugelassene Mittel. Sinnvoll ist fachlicher Rat auch, wenn Sie sich bei der Art nicht sicher sind, denn Rote Wegschnecke und Spanische Wegschnecke sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Werden nachts ganze Beetreihen ohne Schleimspur abgeräumt, prüfen Sie stattdessen andere Ursachen, etwa den Gefurchten Dickmaulrüssler oder Wühlmausfraß an den Wurzeln.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wirken Bierfallen gegen Nacktschnecken?
Nur begrenzt, und sie haben einen entscheidenden Nachteil: Der Geruch wirkt über mehrere Meter und lockt zusätzlich Schnecken aus der Umgebung in Ihr Beet. Unterm Strich fangen Sie damit mehr Tiere, als Sie vorher hatten. Absammeln und ein Schneckenzaun sind die verlässlicheren Maßnahmen.
Kommt die Spanische Wegschnecke wirklich aus Spanien?
Vermutlich nicht, abschließend geklärt ist die Herkunft aber nicht. Als Ursprungsgebiet gilt am ehesten Südwestfrankreich, der Name geht auf eine frühe Fehlzuordnung zurück. In Deutschland breitet sich die Art seit den späten 1960er-Jahren aus, vor allem über den Handel mit Pflanzen und Gemüse.
Welche Pflanzen werden von Schnecken gemieden?
Stark duftende, behaarte oder ledrige Arten bleiben meist verschont, etwa Lavendel, Salbei, Rosmarin, Thymian, Bergenien, Farne und die meisten Gräser. Als Randbepflanzung eines Beetes ersetzen sie zwar keinen Zaun, verringern aber den Druck spürbar.
Darf ich gesammelte Schnecken einfach woanders aussetzen?
Auf dem Nachbargrundstück ist das tabu, und im nahen Umkreis wandern die Tiere ohnehin zurück. Ein Aussetzen in der freien Landschaft verlagert bei einer invasiven Art nur das Problem. Wenn Sie die Schnecken töten, muss das nach dem Tierschutzgesetz schnell und ohne vermeidbare Leiden geschehen.