Maulwurfsgrille
Im Mai schnurrt es abends aus dem Gemüsebeet, wochenlang, tief und gleichmäßig. Kurz darauf welken einzelne Salatpflanzen, obwohl der Boden feucht ist, und lassen sich ohne Widerstand herausziehen – die Wurzel fehlt. Beides geht auf dasselbe Tier zurück: die Maulwurfsgrille, regional auch Werre oder Erdkrebs genannt.
Maulwurfsgrille erkennen
Mit 35 bis 50 mm Körperlänge ist sie eine der größten heimischen Heuschrecken. Der walzenförmige Körper ist samtig braun behaart, das Halsschild wirkt wie ein Panzer. Unverkennbar sind die Vorderbeine: breite, gezähnte Grabschaufeln, die denen eines Maulwurfs verblüffend ähneln.
- Kurze, lederartige Vorderflügel, darunter lange Hinterflügel, die spitz über den Hinterleib hinausragen – die Tiere fliegen in warmen Nächten
- Zwei fadenförmige Anhänge am Hinterleibsende
- Oberflächennahe Erdwülste von etwa drei Zentimetern Breite, die sich wie Adern durch Beet und Rasen ziehen
- Anhaltendes, monotones Schnurren der Männchen aus einem Erdtrichter, abends von Mai bis Juni
Wichtig: Kegelförmige Haufen aus lockerer, krümeliger Erde stammen nicht von der Maulwurfsgrille, sondern vom Maulwurf. Der ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und darf weder gefangen noch getötet werden. Die Grille hinterlässt flache Gangwülste und nur kleine, unregelmäßige Erdauswürfe.
Lebensweise
Die Maulwurfsgrille lebt fast ihr gesamtes Leben unterirdisch, in lockeren, feuchten, humusreichen Böden. Sie gräbt ein weit verzweigtes Gangsystem dicht unter der Oberfläche und legt im Frühsommer eine faustgroße, glattwandige Nestkammer in 10 bis 30 cm Tiefe an. Dort legt das Weibchen mehrere hundert Eier und bewacht sie, was unter Insekten ungewöhnlich ist. Die Nymphen brauchen je nach Witterung ein bis zwei Jahre bis zum ausgewachsenen Tier.
Auf dem Speiseplan steht beides: tierische und pflanzliche Kost. Engerlinge, Larven, Puppen, Regenwürmer und andere Bodentiere werden ebenso gefressen wie Wurzeln, Knollen und Keimlinge. Anders als das im Haus lebende Heimchen ist sie eine reine Freilandart und kommt in Wohnungen nicht vor. Ihre Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland liegen in den wärmeren Regionen des Südens und Südwestens, etwa der Oberrheinebene; nördlich davon tritt sie nur zerstreut auf. Durch Entwässerung und den Verlust feuchter Wiesen sind die Bestände vielerorts stark zurückgegangen.
Schäden und Risiken
Der eigentliche Schaden entsteht nicht durch gezielten Fraß, sondern beim Graben: Die Tiere durchtrennen Feinwurzeln und Wurzelhälse, wenn sie ihre Gänge dicht unter der Oberfläche vortreiben. Betroffen sind vor allem frisch gesetzte Jungpflanzen – Salat, Kohl, Sellerie, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln. Typisch ist, dass eine Pflanze über Nacht welkt, während die Nachbarpflanze unversehrt bleibt.
Im Rasen fallen die Gangwülste auf, weil die Grasnarbe darüber austrocknet und in schmalen Streifen vergilbt. In Frühbeeten und Gewächshäusern kann der Ausfall spürbar werden, im normalen Hausgarten bleibt er meist auf einzelne Pflanzen begrenzt. Für Menschen und Haustiere ist die Art harmlos: Sie ist nicht giftig und sticht nicht. Wer ein Tier ungeschickt festhält, spürt allenfalls einen kräftigen Kniff der Grabschaufeln.
Gegenzurechnen ist der Nutzen. Ein erheblicher Teil der Nahrung besteht aus Bodeninsekten, darunter Engerlinge des Gartenlaubkäfers und Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers.
Vorbeugen
- Beete nicht dauerhaft übernässen – gleichmäßig feuchte, gesetzte Böden werden weniger besiedelt als dauernasse, lockere
- Jungpflanzen mit Manschetten schützen: ein oben und unten offenes Rohr aus Blech oder fester Folie, rund 10 cm tief eingegraben
- Feinmaschiges Gewebe unter Hochbeeten und Frühbeetkästen einbauen, bevor Sie befüllen
- Unverrotteten Mist und sehr grobes Mulchmaterial sparsam einsetzen, beides schafft ideale Grabbedingungen
- Im Mai und Juni auf das abendliche Schnurren achten – so finden Sie Reviere, bevor die nächste Generation heranwächst
Was erlaubt ist
Die Maulwurfsgrille ist in Deutschland deutlich seltener geworden und wird auf den Roten Listen mehrerer Bundesländer geführt. Unabhängig davon gilt der allgemeine Artenschutz nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz: Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Ein paar angefressene Salatköpfe im Hausgarten sind kein solcher Grund. Ob in Ihrem Bundesland weitergehende Regelungen gelten, sagt Ihnen die Untere Naturschutzbehörde.
Rechtlich unbedenklich und praktisch wirksam ist das Umsetzen. Graben Sie glattwandige Gläser oder Becher randbündig in die Gangwülste ein und leeren Sie sie morgens; die Tiere kommen allein nicht wieder heraus. Setzen Sie sie anschließend in einen feuchten, ungenutzten Bereich abseits der Beete um, etwa an einen Grabenrand oder eine feuchte Wiese. Ob ein Pflanzenschutzmittel gegen Maulwurfsgrillen zugelassen ist, sagt Ihnen die Pflanzenschutzberatung Ihres Bundeslandes; im Hausgarten sind chemische Mittel weder nötig noch verhältnismäßig. Angebotene Nematodenpräparate wirken tödlich und sind angesichts der Bestandsrückgänge allenfalls bei erheblichem Erwerbsschaden zu erwägen.
Tipp: Wo abends ein Männchen ruft, liegt der Erdtrichter meist nur wenige Zentimeter daneben und das Revier ist damit lokalisiert. Setzen Sie Ihre Fanggefäße gezielt dort an, statt sie über das ganze Beet zu verteilen. So erwischen Sie die Tiere, die tatsächlich in Ihren Kulturen graben.
Wann zum Profi?
Im Hausgarten braucht es keinen Schädlingsbekämpfer; Fanggefäße und bauliche Barrieren reichen aus. Fachlichen Rat sollten Sie einholen, wenn Sie sich beim Verursacher nicht sicher sind: Wühlmaus, Maulwurf, Engerlinge und Maulwurfsgrille erzeugen sehr unterschiedliche Schadbilder, und eine falsche Diagnose führt schnell zu Maßnahmen gegen eine geschützte Art. Die Pflanzenschutzberatung der Landwirtschaftskammern und Landesämter bestimmt Bodenschädlinge kostenlos oder gegen geringe Gebühr. Bei größeren Ausfällen im Erwerbsgartenbau ist der amtliche Pflanzenschutzdienst zuständig.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Sind das Maulwurfshügel oder Maulwurfsgrillen?
Der Maulwurf wirft kegelförmige Haufen aus lockerer Erde auf. Die Maulwurfsgrille hinterlässt flache Gangwülste dicht unter der Oberfläche und nur kleine, unregelmäßige Auswürfe. Ein weiteres Indiz ist das monotone Schnurren an Mai- und Juniabenden – das gibt es beim Maulwurf nicht.
Darf ich Maulwurfsgrillen töten?
Nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und ein paar beschädigte Salatpflanzen im Hausgarten sind kein solcher Grund. Die Art ist zudem vielerorts selten geworden. Fangen Sie die Tiere mit eingegrabenen Gläsern und setzen Sie sie abseits der Beete um.
Woran merke ich, dass Maulwurfsgrillen im Beet sind?
Typisch sind einzelne Pflanzen, die über Nacht welken und sich ohne Wurzel herausziehen lassen, während die Nachbarpflanze gesund bleibt. Dazu kommen etwa drei Zentimeter breite Erdwülste, die sich adernartig durch Beet und Rasen ziehen. Im Mai und Juni verrät der abendliche Gesang die Reviere.
Kann die Maulwurfsgrille beißen oder stechen?
Stechen kann sie nicht, giftig ist sie ebenfalls nicht. Wer ein Tier festhält, spürt allenfalls einen kräftigen Kniff der Grabschaufeln, der die Haut in aller Regel nicht verletzt. Für Kinder und Haustiere geht von der Art keine Gefahr aus.