Silbermöwe
Silbermöwen brüten längst nicht mehr nur auf Dünen und Halligen. In Küsten- und Hafenstädten besiedeln sie Kiesdächer, Flachdächer von Industriehallen und Parkhäuser. Für Eigentümer bedeutet das Kot, Lärm ab dem Morgengrauen, verstopfte Dachabläufe und in der Zeit mit Jungvögeln Scheinangriffe auf jeden, der dem Nest zu nahe kommt.
Silbermöwe erkennen
Die Silbermöwe ist eine große Möwe: 55 bis 67 cm lang, mit einer Spannweite von etwa 1,25 bis 1,55 m und meist 750 bis 1.250 g schwer. Altvögel sind weiß mit silbergrauem Mantel und schwarzen Flügelspitzen, in denen weiße Flecken sitzen. Der kräftige gelbe Schnabel trägt am Unterschnabel einen roten Fleck.
- Beine fleischfarben-rosa, das wichtigste Merkmal gegenüber Mittelmeermöwe und Heringsmöwe, die beide gelbe Beine haben
- Im Winterkleid ist der Kopf bräunlich gestrichelt
- Jungvögel bleiben rund vier Jahre braun-grau gescheckt und wirken wie eine andere Art
- Nest als flache Mulde aus Halmen, Federn und Abfall, meist auf Kies, hinter Aufbauten oder in Attikaecken
Lebensweise
Die Brutzeit reicht von April bis Juli. Die Eiablage beginnt meist Ende April oder im Mai, Nachgelege können sich bis in den Juni ziehen. Ein Gelege umfasst meist zwei bis drei Eier, gebrütet wird rund vier Wochen. Die Küken verlassen die Nestmulde schon nach wenigen Tagen und laufen über die Dachfläche, werden aber noch wochenlang von den Altvögeln geführt und gefüttert. Flügge sind sie erst nach etwa sechs Wochen.
Flachdächer bieten den Vögeln etwas, das Bodenbrutplätze nicht haben: keine Füchse, kaum Störung und einen trockenen, warmen Untergrund. Kiesschüttungen ähneln den natürlichen Strandwällen. Die Nahrung stammt aus Watt und Meer, in der Stadt zunehmend auch aus offenen Abfallbehältern, von Imbissflächen und aus der Fütterung durch Passanten. Silbermöwen sind ausgesprochen standorttreu und kehren jahrelang auf dasselbe Dach zurück.
Schäden und Risiken
Die praktischen Folgen entstehen fast alle auf dem Dach selbst.
Nistmaterial, Federn und Kot werden in Dachabläufe und Notüberläufe gespült und setzen diese zu. Auf einem Flachdach staut sich das Wasser dann sichtbar, im ungünstigen Fall bis an die Grenze der zulässigen Belastung. Kot verschmutzt Attika, Lichtkuppeln und Lüftungsaufbauten und gelangt über die Fallrohre auch an Fassaden und auf Gehwege. Dazu kommt die Geräuschkulisse: Rufende Altvögel beginnen früh, die Bettelrufe der Jungen ziehen sich über Wochen.
In der Führungszeit verteidigen die Altvögel ihre Jungen mit lauten Rufen und Sturzflügen dicht über den Kopf. Verletzungen sind selten, für Dachdecker, Haustechniker und Bewohner ist die Situation trotzdem unangenehm. In Möwenkot lassen sich Darmkeime wie Salmonellen und Campylobacter nachweisen; beim Reinigen gelten deshalb dieselben Regeln wie bei Taubenkot.
Wichtig: Schlecht gespannte Netze sind für Möwen eine Falle. Lose Maschen, offene Ränder und durchhängende Bahnen führen dazu, dass sich Vögel verheddern und verenden. Netze und Spanndrahtsysteme gehören fachgerecht montiert, straff gespannt und regelmäßig kontrolliert, sonst richten sie mehr Schaden an als die Möwen.
Vorbeugen
Möwen lassen sich nur vor der Brut abhalten. Liegt das Gelege erst einmal, ist das Dach für diese Saison vergeben.
- Dachflächen im Spätwinter kontrollieren und Nistmaterial des Vorjahres entfernen, bevor die Vögel zurückkehren
- Kiesdächer, ruhige Ecken hinter Aufbauten und begrünte Bereiche mit Netzen oder Spanndrahtsystemen sichern
- Nahrungsquellen schließen: Abfallbehälter mit Deckel, keine Speisereste auf Terrassen und Dachgärten, keine Fütterung
- Dachabläufe und Notüberläufe zweimal jährlich freiräumen und mit Laubfangkörben sichern
Tipp: Das Zeitfenster für alle baulichen Arbeiten liegt zwischen dem Abzug der Jungvögel im Spätsommer und Anfang März. Wer Netze erst im April montieren lässt, riskiert, dass die Möwen bereits ein Gelege haben. Dann müssen die Arbeiten bis nach der Brutzeit ruhen.
Was erlaubt ist
Die Silbermöwe gehört wie alle europäischen Vogelarten zu den besonders geschützten Arten nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Verboten sind das Fangen, Verletzen und Töten der Vögel, das Entnehmen oder Zerstören von Eiern und Gelegen sowie das erhebliche Stören während der Brut- und Aufzuchtzeit.
Zulässig sind vorbeugende bauliche Maßnahmen außerhalb der Brutzeit: Netze, Spanndraht, das Räumen alter Nester vor Saisonbeginn und das Schließen von Nahrungsquellen. Sobald Eier oder Küken vorhanden sind, sind Nestentfernung, Eingriffe ins Gelege und jede Form der Vergrämung am Brutplatz nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde des Kreises oder der kreisfreien Stadt; in mehreren Küstenstädten gibt es dafür eingespielte Verfahren, etwa wenn eine Dachabdichtung dringend saniert werden muss. Bekämpfungsmittel gegen Möwen gibt es nicht. Rechtlich gilt neben dem Naturschutzrecht auch das Jagdrecht: Möwen zählen nach § 2 Bundesjagdgesetz zum jagdbaren Federwild, Jagd- und Schonzeiten legen die Länder fest. Für Brutplätze auf Dächern hilft das nicht weiter, dort bleibt es bei baulicher Abwehr außerhalb der Brutzeit und, wenn ein Eingriff unvermeidbar ist, bei einer Ausnahmegenehmigung der zuständigen Behörde.
Wann zum Profi?
Möwenabwehr auf Flachdächern ist Höhenarbeit und ein eigenes Handwerk. Ein Fachbetrieb ist sinnvoll, wenn ein Dach mehrere Brutpaare trägt, wenn Netze über größere Flächen gespannt werden sollen, wenn Abläufe wiederholt verstopfen oder wenn Beschäftigte in der Brutzeit nicht mehr gefahrlos auf das Dach können. Achten Sie darauf, dass der Betrieb Vogelabwehr im Programm hat und die artenschutzrechtliche Lage schriftlich einordnet. Für die Reinigung stark verkoteter Flächen gelten dieselben Schutzmaßnahmen wie bei Tauben: anfeuchten, FFP2-Maske, Handschuhe, Einwegoverall. Wo Nester über Jahre lagen, sollte zusätzlich auf Vogelmilben und Vogelflöhe geachtet werden.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Möwen brüten auf unserem Flachdach – dürfen wir das Nest entfernen?
Nicht ohne Genehmigung. Sobald Eier oder Küken vorhanden sind, greifen die Verbote des Bundesnaturschutzgesetzes: kein Entfernen des Nestes, kein Eingriff ins Gelege, keine Vergrämung am Brutplatz. Wenn eine Dachsanierung dringend ist, wenden Sie sich an die Untere Naturschutzbehörde, die über eine Ausnahme entscheidet.
Warum greifen mich die Möwen an, wenn ich aufs Dach gehe?
In der Führungszeit laufen die Küken frei auf der Dachfläche herum, und die Altvögel verteidigen sie mit Rufen und Sturzflügen dicht über den Kopf. Meist bleibt es bei Scheinangriffen. Planen Sie Dacharbeiten in dieser Phase nicht ein und halten Sie Abstand zu den Jungvögeln, dann beruhigt sich die Situation.
Was hilft dauerhaft gegen Möwen auf dem Dach?
Wirksam ist die Kombination aus baulicher Abwehr und Nahrungsentzug: fachgerecht gespannte Netze oder Spanndrahtsysteme über den bevorzugten Kiesflächen, geschlossene Abfallbehälter und keine Fütterung im Umfeld. Entscheidend ist der Zeitpunkt – montiert wird zwischen Spätsommer und Anfang März, nicht in der Brutzeit.
Ist Möwenkot gesundheitlich bedenklich?
Im Kot lassen sich Darmkeime wie Salmonellen und Campylobacter nachweisen. Für die Reinigung größerer Mengen gelten deshalb dieselben Regeln wie bei Taubenkot: vorher anfeuchten, damit kein Staub entsteht, dazu FFP2-Maske, Handschuhe und Einwegoverall. Bei stark verkoteten Flächen ist ein Fachbetrieb die bessere Wahl.