Schmeißfliege
Wenn plötzlich mehrere große, blau oder grün glänzende Fliegen laut brummend am Fenster sitzen, ist das selten Zufall. Schmeißfliegen finden Aas und Fleisch über Kilometer hinweg und legen ihre Eier direkt darauf ab. In der Wohnung sind sie deshalb fast immer ein Hinweis: Irgendwo liegt etwas Totes oder Verdorbenes. Sie stechen nicht, verunreinigen aber Lebensmittel und übertragen dabei Keime.
Schmeißfliege erkennen
Die Tiere sind 6 bis 14 mm lang und damit deutlich größer und gedrungener als die Große Stubenfliege. Die Blaue Schmeißfliege (Calliphora vomitoria) glänzt metallisch stahlblau; sie wird umgangssprachlich auch Blaue Fleischfliege genannt, gehört aber zur Familie der Schmeißfliegen. Die Goldfliege (Lucilia sericata) leuchtet grün bis kupfergrün. Der Körper ist kräftig beborstet, der Flug laut und schwerfällig. Häufig laufen die Tiere unruhig an Fensterscheiben auf und ab.
Auf einen Herd im Haus deuten hin:
- mehrere große Fliegen gleichzeitig, ohne offenes Fenster, oft über Tage nachlaufend
- süßlich-fauliger Geruch in einem Raum, in Wandnähe oder am Kamin
- weiße, beinlose Maden von 5 bis 15 mm, die aus Fugen, Sockelleisten oder Lüftungsgittern wandern
- braune, tönnchenförmige Puppen in Ritzen, unter Teppichkanten oder im Blumentopf
Verwechselt wird sie mit der Grauen Fleischfliege (Sarcophaga carnaria), die grau-schwarz gewürfelt und nicht metallisch ist und deren Weibchen lebende Larven absetzt statt Eier zu legen.
Lebensweise
Erwachsene Fliegen ernähren sich von Nektar, Säften und allem Zuckerhaltigen. Für die Eiablage brauchen die Weibchen Eiweiß: Aas, rohes Fleisch, Fisch, Kot, Tierfutter oder infizierte Wunden. Ein Gelege umfasst 150 bis 200 Eier, über ihr Leben legt ein Weibchen bis zu 600.
Die Entwicklung geht schnell: Bei rund 20 °C schlüpfen die Maden nach 8 bis 24 Stunden, fressen etwa 5 bis 10 Tage und wandern dann zur Verpuppung in trockene Ritzen ab. Nach weiteren 10 bis 14 Tagen erscheint die fertige Fliege, insgesamt also knapp drei Wochen, im Hochsommer weniger als zwei. Erwachsene Tiere leben zwei bis vier Wochen. Ein Teil überwintert als Fliege auf Dachböden und in Rollladenkästen – daher die vermeintlich rätselhaften Fliegen an milden Wintertagen.
Schäden und Risiken
Schmeißfliegen laufen zwischen Kot, Aas und Lebensmitteln hin und her. Beim Fressen betupfen sie feste Nahrung mit Verdauungssaft und würgen Kropfinhalt aus. So gelangen Salmonellen, E. coli und Campylobacter mechanisch auf Lebensmittel und Arbeitsflächen. Angeflogene Ware sollten Sie entsorgen, sichtbar bemadete ohnehin.
Bei Tieren können die Maden lebendes Gewebe befallen, vor allem in verschmutzten Wunden von Schafen, Kaninchen und geschwächten Heimtieren – ein Fall für die Tierarztpraxis. Für gesunde Menschen besteht dieses Risiko praktisch nicht.
Wichtig: Bleibt der Zustrom über Tage bestehen, suchen Sie die Quelle statt die Fliegen zu bekämpfen. Häufig liegt ein totes Tier in einer Zwischendecke, im Kamin, unter der Terrasse oder hinter einer Verkleidung – oft eine Maus oder ein Vogel. Ohne Fund kommt die nächste Generation nach.
Vorbeugen
- Fliegengitter an Küchen-, Bad- und Schlafzimmerfenstern anbringen.
- Biomüll und Restmüll geschlossen halten, Tonnen regelmäßig reinigen und schattig stellen.
- Fleisch, Fisch und Tierfutter abgedeckt oder gekühlt aufbewahren, Näpfe nach der Fütterung leeren.
- Kaminöffnungen, Lüftungsrohre und Traufkästen mit Gittern sichern, damit keine Tiere hineinfallen.
- Befall durch Mäuse zügig beseitigen, Kadaver und Fallobst im Garten entfernen.
Bekämpfen
Einzelne Fliegen erledigen Klatsche oder Staubsauger. Entscheidend ist die Quellensuche: Riechen Sie sich durch die Räume, prüfen Sie Kamin, Zwischendecken, Kellerschächte, Vorräte und Mülleimer. Ist der Kadaver entfernt, versiegt der Nachschub innerhalb weniger Tage.
Wandernde Maden saugen Sie ab und entsorgen den Beutel sofort außer Haus; Reste beseitigen Sie mit heißem Wasser und Reiniger. In Küchen und Betrieben helfen UV-Lichtfallen mit Klebefolie, allerdings nur ohne Konkurrenz durch Tageslicht. Essigfallen locken Fruchtfliegen an, keine Schmeißfliegen. Raumsprays töten den aktuellen Bestand, ändern aber nichts an der Ursache.
Tipp: Puppen verraten den Weg. Findet sich eine Ansammlung tönnchenförmiger brauner Hüllen in einer Ecke, liegt der Herd meist wenige Meter entfernt in der angrenzenden Konstruktion. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Rufen Sie einen Fachbetrieb, wenn der Kadaver in einer unzugänglichen Zwischendecke oder Hohlwand liegt, wenn der Zustrom trotz Suche anhält oder wenn Lebensmittel gewerblich verarbeitet werden. Dann sind Endoskopkamera, gezielte Bauteilöffnung und Desinfektion nötig – ebenso bei jährlich wiederkehrenden Ansammlungen überwinternder Fliegen auf dem Dachboden.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Warum sind plötzlich so viele große Fliegen in der Wohnung?
Schmeißfliegen finden Eiweißquellen über weite Entfernungen. Treten mehrere Tiere über Tage auf, liegt meist ein totes Tier in einer Zwischendecke, im Kamin oder unter der Terrasse. Auch vergessenes Fleisch, volle Biomülleimer oder ein Mäusekadaver hinter der Küchenzeile kommen infrage.
Sind Schmeißfliegen gefährlich?
Sie stechen nicht und beißen nicht. Sie übertragen aber mechanisch Keime wie Salmonellen und E. coli von Aas und Kot auf Lebensmittel. Angeflogene oder gar bemadete Lebensmittel gehören deshalb in den Müll, Arbeitsflächen sollten Sie gründlich reinigen.
Wie werde ich Maden im Haus los?
Saugen Sie die Maden auf und entsorgen Sie den Beutel sofort außer Haus, anschließend mit heißem Wasser und Reiniger nachwischen. Wichtiger ist die Quelle: Solange der Kadaver oder das verdorbene Material liegen bleibt, wandern immer neue Maden aus.
Wie lange dauert es, bis der Befall vorbei ist?
Ist die Quelle entfernt, endet der Zustrom meist innerhalb weniger Tage. Bleibt sie liegen, entwickelt sich alle zwei bis drei Wochen eine neue Generation. Bereits verpuppte Tiere schlüpfen noch nach – vereinzelte Fliegen in den folgenden zwei Wochen sind normal.