Weicher Nagekäfer
Im Dachstuhl tauchen plötzlich kleine runde Löcher auf, darunter liegt feines Bohrmehl. Der Verdacht fällt sofort auf den Holzwurm. In sehr vielen Fällen steckt aber der Weiche Nagekäfer dahinter – ein Käfer, der ausschließlich im Rinden- und Bastbereich frisst und die Tragfähigkeit des Holzes nicht angreift.
Weichen Nagekäfer erkennen
Der Käfer misst meist 4 bis 5 mm, die Spanne reicht von knapp 3 bis gut 6 mm. Er ist rotbraun gefärbt und von einer feinen goldbraunen Behaarung seidig überzogen, die im Alter matt wird. Das Schildchen zwischen den Flügeldecken trägt eine auffällig helle Behaarung. Das wichtigste Merkmal ist allerdings eine Abwesenheit: Auf den Flügeldecken fehlen die deutlichen Punktreihen, die der Gemeine Nagekäfer zeigt.
- Ausfluglöcher rund und etwa 2 mm groß, fast immer an rindigen Stellen, Waldkanten und Astbereichen
- Kotteilchen linsenförmig, hell und dunkel gemischt, im Bohrmehl mit bloßem Auge erkennbar
- Larven bis 8 mm lang, gelblich mit feiner rötlicher Behaarung, gekrümmt
- Die Käfer klopfen nicht; das bekannte Ticken der Totenuhr stammt von anderen Arten
Wichtig: Sitzen die Löcher auch in rindenfreiem, gehobeltem Holz, in Möbeln, Parkett oder Fachwerk, scheidet der Weiche Nagekäfer als Verursacher praktisch aus. Dann kommt der Gemeine Nagekäfer in Frage, bei größeren ovalen Löchern der Hausbock. Beide brauchen eine ernsthafte Bewertung des Bauteils.
Lebensweise
Die Art besiedelt berindetes Nadelholz, bevorzugt Kiefer und Fichte, besonders gern dünnere Stangen, Äste und die Waldkanten von Bauholz. Die Weibchen legen die Eier in Rindenritzen ab. Die Larven fressen in der Bastschicht zwischen Rinde und Holz. Dabei entstehen flache Rinnen, die das darunterliegende Splintholz nur wenige Millimeter anschürfen. Die Generationsdauer beträgt ein bis zwei Jahre. Die Käfer schlüpfen vor allem ab April, sind wegen überlappender Generationen aber fast ganzjährig zu finden. Sie sind in der Dämmerung und nachts am aktivsten und fliegen ans Licht.
Weil das Holz beim Einbau oft schon Eier oder Larven enthält, erscheinen die ersten Käfer typischerweise ein bis drei Jahre nach der Fertigstellung. Das führt zu der verbreiteten Fehldeutung, ein Neubau sei bereits vom Holzwurm befallen.
Schäden und Risiken
In der Holzschutzpraxis gilt der Weiche Nagekäfer als technisch bedeutungslos. Er frisst nur so weit, wie Rinde und Bast reichen. Tragende Querschnitte bleiben unberührt, die Statik wird nicht beeinträchtigt. Ohne Rinde findet die Larve keine Nahrung, deshalb erlischt der Befall von selbst, sobald das eingebrachte Rindenmaterial aufgezehrt oder entfernt ist. Ein Übergreifen auf Möbel, Parkett oder Dielen findet nicht statt.
Was bleibt, sind kosmetische und praktische Ärgernisse: Löcher in Sichtholz, rieselndes Bohrmehl auf Dämmung, Fußboden und Lagergut sowie Käfer, die im Frühjahr in die Wohnräume geraten. Gesundheitlich sind die Tiere ohne Bedeutung, sie stechen und beißen nicht und gehen nicht an Lebensmittel.
Vorbeugen
- Bauholz nur entrindet einbauen, Waldkanten und Rindenreste vorher abarbeiten
- Beim Sichtdachstuhl auf sauber besäumtes, technisch getrocknetes Holz bestehen
- Berindetes Brenn- und Rundholz nicht dauerhaft auf dem Dachboden oder im Keller lagern
- Rindenreste, die beim Ausbau anfallen, aus dem Gebäude schaffen und nicht in Hohlräumen liegen lassen
Bekämpfen
Die wirksamste Maßnahme ist zugleich die einfachste: Rinde entfernen. Damit ist der Art die Entwicklungsgrundlage entzogen, weitere Schritte erübrigen sich. Eine chemische Behandlung des Dachstuhls ist hier nicht angezeigt, der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Bei einzelnen befallenen Gegenständen, etwa dekorativem Rundholz, hilft eine Wärmebehandlung; das Heißluftverfahren nach DIN 68800-4 verlangt dafür mindestens 55 °C im Holzkern über eine Stunde.
Tipp: Umkreisen Sie jedes gefundene Loch mit Bleistift, notieren Sie das Datum und wischen Sie das Bohrmehl weg. Kommen im Folgejahr keine neuen Löcher und kein frisches Mehl hinzu, ist die Sache erledigt. Dieser Test erspart viele teure Verdachtsdiagnosen.
Wann zum Profi?
Fachlichen Rat brauchen Sie, wenn sich die Löcher nicht sicher zuordnen lassen, wenn sie in rindenfreien tragenden Bauteilen sitzen oder wenn ihre Zahl über Jahre zunimmt. Nehmen Sie zum Termin einen Käfer, etwas Bohrmehl und ein Foto der Stelle mit Maßstab mit. Ein Sachverständiger für Holzschutz unterscheidet die Arten sicher und ordnet den Befall nach DIN 68800-4 ein. Auch der Blauviolette Scheibenbock und der Gescheckte Nagekäfer hinterlassen Löcher im Bauholz, bedeuten für das Gebäude aber jeweils etwas völlig anderes.
Häufige Fragen zu diesem Tier
Sind die kleinen Löcher im Dachstuhl Holzwurm oder Weicher Nagekäfer?
Achten Sie darauf, wo die Löcher sitzen. Der Weiche Nagekäfer braucht Rinde und Bast, seine rund 2 mm großen Löcher liegen an Waldkanten, Astbereichen und rindigen Stellen. Löcher in gehobeltem, rindenfreiem Holz, in Möbeln oder Parkett gehen dagegen auf den Gemeinen Nagekäfer zurück.
Muss ich gegen den Weichen Nagekäfer etwas unternehmen?
Technisch nicht. Die Larven schürfen das Splintholz nur wenige Millimeter an, tragende Querschnitte bleiben unberührt. Entfernen Sie Rinde und Rindenreste, dann endet der Befall von selbst.
Warum schlüpfen die Käfer erst Jahre nach dem Neubau?
Die Larven waren beim Einbau schon im Holz. Bei ein bis zwei Jahren Entwicklungszeit erscheinen die ersten Käfer meist ein bis drei Jahre nach der Fertigstellung. Das ist kein Zeichen für einen neuen oder fortschreitenden Befall.
Kann der Befall auf Möbel oder Parkett übergreifen?
Nein. Ohne Rinde und Bast findet die Larve keine Nahrung, und trockenes, rindenfreies Holz wird nicht besiedelt. Treten Löcher in Möbeln oder Parkett auf, ist eine andere Art am Werk.